Presse

12. 02. 2004

Mnchner Merkur (Elisabeth Frank)

Anika Vavic spielt sich selbst

Der jungen Pianistin Anika Vavic entgeht bei Spiel im ,,alten kino" keine Nuance

Klavierzyklus: Schlicht und intelligent

Ebersberg - Valse noble et sentimental von Schubert war die erste von drei Zugaben in Anika Vavics Solo-Recital. Damit ist Grundlegendes ausgesagt. Erstens: Der Abend war sehr erfolgreich, denn das Publikum des ausverkauften alten kinos wollte die Knstlerin nicht gehen lassen. Diese ihrerseits htte sicher noch mehr noble Zuckerl auf Lager gehabt, denn man sah ihr die Freude am Spiel und an der Zustimmung der Hrer an, ihr glckliches und trotz ihrer Jugend irgendwie gtiges Lcheln und ihre ganze ungemein natrliche Ausstrahlung wrmten das Herz der Zuhrer.

Damit wren wir schon bei sentimental angelangt. Schuberts Klavierstck knnte man nmlich als berschrift ber das Konzert setzen. Die Valses nobles et sentimentales von Ravel standen im Zentrum eines uerst unkonventionellen Programms, in dem die Pianistin sich nicht nur jeder Effekthascherei enthielt, sondern in wahrlich vornehmen Nonchalance schwierigste Klavierliteratur prsentierte, als handele es sich um einen Sonntagsspaziergang.

Der Spaziergang fhrte durch eine groartige Landschaft, deren Formen- und - Farbenreichtum alle Sinne forderte.

Eingerahmt von zwei Sonaten, Haydns und Prokofjews, gab es kleine und zyklische Formen zu hren, die geeignet sind, zu vergleichen und Querverbindungen herzustellen. Haydns Sonate aus seiner Sturm- und Drang- Periode wurde von der Knstlerin in den beiden ersten Stzen weniger leicht und heiter gestaltet, als vielmehr gewichtig im Sinne von bedeutungsvoll und die Nhe zu Beethoven entdeckend.

Erst im Finalsatz brachen sich glitzernde und perlende Tonketten ihren Raum und befreiten das Werk von gewissen Fesseln, die ihm durch seinen Platz als Einspielstck angelegt waren.

Scriabins von Anika Vavic subtil und nachdenklich interpretierte Vier Stcke erinnerten an Schumanns kleine Miniaturen in ihrer Vielschichtigkeit, ihrem Spiel mit Harmonik und Polyphonie. hnlich wie ein lyrischer zweiter Sonatensatz waren sie eingebettet zwischen Haydns Sonate und Bachs Englische Suite in g-Moll, deren gewichtige Sarabande ganz besonders das Orchestrale betonte im konzertanten Wechselspiel der gedachten Register.

Dabei adaptierte die Pianistin das Werk auf die Mglichkeiten des modernen Flgels. Als Collage und subtile Demontage der verschiedenen Traditionslinien beschreibt das Programmheft Ravels Valses nobles et sentimentales".

Der Zyklus lebt von der groen Spannung, die durch Abwechslung in den Tempi und durch Verschleierung der Tonarten und des Taktes und gelegentliches hervorschimmern bekannter und traditioneller Motive erzeugt wird.

Keine schweitreibende Fitness-Demonstration

Manchmal sind sie aufrttelnd oder beruhigend, manchmal heiter oder weltschmerzlich geprgt, kommen aber immer ohne uere Virtuositt aus. Damit muss auch Anika Vavic sich identifiziert haben, denn sie schaffte es sogar noch bei Prokofjews sechster Sonate, keine schweitreibende Fitness-Demo zu veranstalten, sondern auch in sehr kraftvollen Passagen und manchem Staccato-Gewitter den Flgel zum Klingen zu bringen und aus der groen Gedankenflle eindringliche Stimmungsbilder zu zaubern.

Am Ende hatte man begriffen: Anika Vavic spielte sich auch selbst. Schlicht und intelligent.

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