Presse

11. 06. 2004

Südwest PRESSE (Jürgen Kanold)

KARAJAN-KONZERT / Tschaikowsky pur

Auf in die Schlacht!

Eine junge, wunderbare Pianistin aus Belgrad, die das Wiener Karajan Centrum eingeladen hatte, spielte im CCU - das Karajan-Gedächtniskonzert der Philharmoniker mischte in der Donaufest-Woche mit. Anika Vavic glänzte in Tschaikowskys Klavierkonzert Nr.1.

Mit seinen "abgeschmackten Leierkastenmelodien" habe Verdi sich an der Kunst versündigt. Oder Brahms: "Fr mich hat er gar keinen Reiz. Ich finde, dass er sehr dunkel und kalt ist." Nicht nett, wie Peter Tschaikowsky über seine Kollegen geurteilt hatte. Klaus Rak stellte Zitate im Programmheft zusammen - um die Zwiespältigkeit dieses kritischen, aber vor allem auch selbstkritischen Komponisten zu markieren. "Es zeigte sich, dass mein Werk nichts taugt, dass man es nicht spielen kann, dass die Klavierpassagen so banal, plump und ungeschickt sind . . .", schrieb ein enttäuschter Tschaikowsky, als Nikolai Rubinstein 1875 das ihm gewidmete Klavierkonzert in b-Moll ablehnte.

Tschaikowsky war immer verdächtig: brutale Lustigkeit, aufgedonnerte Sentimentalität, pathologische Trostlosigkeit? "Tschaikowskys Violinkonzert bringt uns zum ersten Male auf die schauerliche Idee, ob es nicht auch Musikstücke geben könne, die man stinken hört!", rümpfte Eduard Hanslick einst die Nase. Andererseits kann diese gewaltige, raffinierte Romantik allemal begeistern. Ein reiner Tschaikowsky-Abend also beim 4. Herbert-von-Karajan-Gedächtniskonzert im gut besuchten Congress Centrum, der nun wirklich alle Facetten des Komponisten zeigte. Es liegt, beispielsweise, am Solisten, ob das berüchtigte b-Moll Klavierkonzert nur als Virtuosennummer für Tastentiger durchgeht. Die in Belgrad geborene Anika Vavic aber, Stipendiatin des Karajan Centrums, trat unverkrampft, unverkünstelt, im besten Sinne unspektakulär auf und sorgte für musikalische Hochspannung. Die Serbin, die auf Vorschlag des Wiener Musikvereins zum Aufgebot der "Rising Stars" gehrt und derzeit in den prominentesten Konzerthäusern der Welt gastiert, ist eine Pianistin, die für alle Stimmungslagen die passende Klangfarbe, den differenzierten Anschlag parat hat.

Klar, sie kann auch die Pranken zeigen und den so berühmten 1. Satz mit hämmernden Akkorden aufreißen, trotzdem ist die Virtuosität nie Selbstzweck. Alles ist wohldurchdacht, musikalisch geprüft. Herrlich, wie Anika Vavic die Kadenz des 1. Satzes als Solo-Rhapsodie gestaltete. Und dieses Klavierkonzert war ein Erlebnis, weil James Allen Gähres und die Philharmoniker sich mit der Pianistin durchaus auf einer Wellenlänge trafen.

Die Schicksalssinfonie

Danach zog der Generalmusikdirektor in die Schlacht, und zwar auf Seiten des Zaren gegen Napoleons Truppen. Die lärmende Ouvertüre "1812", ein sinfonischer Kampf zwischen russischer Hymne und Marseillaise: Die stürmisch ackernden Philharmoniker gewannen allemal, gingen aber im finalen Getöse von Kanonendonner und Kirchenglocken (vom Band) fast unter. Der Applaus geriet dann geradezu zur Siegesfeier (ohne Böller).

Und weiter, mit der so fahl und schwermütig anhebenden 5. Sinfonie in e-Moll, der "Schicksalssinfonie" - einem unvergleichlichen Klangbild menschlicher Leidenschaft. Kein Zweifel, James Allen Gähres kümmert sich nicht um die Vorurteile gegenüber Tschaikowsky. Er dirigierte packend-kämpferisch, die Wucht des sinfonischen Dramas sprach für sich. Zweifellos gab es bemerkenswerte Details, etwa das schöne Horn-Solo im 2. Satz. Aber diese Aufführung riss das Publikum durch ihre unverstellte Kompaktheit mit. Die von  Allen Gähres  angeführten, tadellosen Philharmoniker spielten mit größtem Einsatz.

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