Presse

23. 01. 2012

Kieler Nachrichten (Christian Strehk)

Skrjabins Priesterin: Pianistin Anika Vavic

Wenn es um die Musik von Alexander Skrjabin geht, bremst die serbische Pianistin Anika Vavic so leicht nichts aus. Keine weite Reise, kein grippaler Infekt kann sie davon abhalten, nach den Auftritten in den Philharmonischen Konzerten vom Dezember, nochmals in Kiel für ihn zu werben. Sogar ein Roman zum Phänomen Skrjabin entsteht aus ihrer Feder.

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Stargast der Musikfreunde: Anika Vavic
Stargast der Musikfreunde: Anika Vavic

Charmanter Fürsprache ließ Vavic auch pianistisch gute Argumente folgen: In fiebernd hypersensibilisiertem Spiel passte sie am Freitag auf Einladung der Musikfreunde die Poemes op. 32 and vor allem die um feine Grade progressiveren, eigenwilligeren, spannungsvolleren Morceaux op. 51 perfekt in die Ansgarkirche ein - als quasi religiöse, mystisch verklärte Nachwehen der Romantik.

Da blühte die fragile Poesie, die verästelte Klangfantasie des russischen Komponisten, den man sogar als Geistesverwandten eines Debussy nur schwer fassen kann, wunderbar auf.

Das Schaffen sei wie das Leben, postulierte Skrjabin einmal, es bestehe "im Spiel der Gegensätze und im Kampf, in Kontrasten, in Aufflug und Absturz".

Diese Kontraste in Skrjabins bedeutender fis-Moll-Sonate op. 23, aber auch in Robert Schumanns von skurrilen Wendungen durchbrochenen Kreisleriana op. 16 trennscharf  herauszuarbeiten, fiel der Pianistin schwerer. In der immer Hoch grenzwertig überakustischen Kirche wollte sie in Sachen Temporasanz and Pedalgebrauch offenbar nicht zurückstecken, ihrem Temperament entsprechend kämpferisch Klangnebelflüge und Absturzrisiken in Kauf nehmen. So waren es auch hier eher die lyrischen Momente, die mit weitem Atem and Anschlagskultur fesselten.

Großem Beifall and etlichen Bravi folgten herrlich ins Schweben versetzte Schubert-Grüße an die Wahlheimat Wien.

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